Weltmeere und das Abenteuer der Jenaplanschule Markersbach

 

Die Winde surrt und ein Netz verschwindet  langsam in den Fluten.

Wir schleppen es mit gut 3 Knoten Geschwindigkeit über den Meeresboden und sind voller Erwartung was da wohl ans Tageslicht kommen mag. Wir, das sind 10 Jugendliche der Jenaplanschule und ich als Biologielehrer auf einem Forschungsschiff mitten in der Kieler Förde. Ein großes Containerschiff bringt uns gehörig ins Schwanken, keine Panik signalisiert unser Kapitän, alles im grünen Bereich.

Wieder haben wir als Team einen neuen Schritt gewagt, vorher lange hin und her überlegt, ob so eine Form des Unterrichts weit ab von der Heimat funktionieren würde.

Es gab Für und Wieder. Bisher dienten Gruppenausfahrten mit Übernachtung in einer Jugendherberge vor allem der Förderung des sozialen Gedankens in den Stammgruppen.

Vorhandene Sehenswürdigkeiten wurden besichtigt und erforscht und anschließend Berichte über das Gesehene in die Exkursionstagebücher geschrieben.

Nun sind wir unterwegs um Unterrichtsinhalte zu erforschen.

Unser Projekt heißt „Weltmeere“.

Es wird getragen von den Biologen und Geographen der Schule aber auch die Deutschlehrer haben Aufträge mitgegeben. Schülerarbeitsgruppen haben ganz konkrete Forschungen zu leisten. Wir untersuchen maritime Ökosysteme, bestimmen Tiere und Pflanzen und fragen nach Nahrungsketten. Erfahrungen aus erster Hand kontra Buch und Internet-Wissen.

An einem weiteren Tag geht es dann noch in die Universität. Eine Vorlesung zu den neuesten Ergebnissen der Ozeanforschung steht auf dem Programm. Außerdem wollen wir uns die Geräte des Tsunami Frühwarnsystems anschauen und erklären lassen. Deutschland hat versprochen ein solches Frühwarnsystem für den indischen Ozean zur Verfügung zu stellen.

Die Schülergruppen haben eine lange Liste von Fragen vorbereitet.

Es ist ein beglückendes Gefühl nach so vielen harten Jahren Kampf um die Existenz gegen administrative Engstirnigkeit, endlich pädagogisch in die Tiefe arbeiten zu können. Es ist wunderbar alle Möglichkeiten unseres Jenaplanschulkonzeptes dafür nutzbar zu machen, um Kindern so gut es irgend geht zu helfen das Leben zu lernen.

Moderne wirkungsvolle und kindgemäße Pädagogik braucht jedoch Menschen die bereit sind, sich auf neue Wege zu begeben. Diese Menschen gibt es im Team der Jenaplanschule. Sie verstehen sich selbst als „Lernendes Kollegium“ und wer selbst lernt, will sich auch weiterentwickeln.

Inzwischen ist das Netz eingeholt. Wir sortieren Seesterne, Muscheln, Seenadeln, Grasnadeln, Krabben und vieles andere auch. Alles wird begutachtet und mit Hilfe der anwesenden Meeresbiologen bestimmt und katalogisiert.

Vorsicht ist geboten, nichts darf beschädigt werden. Die Sonne wärmt uns, es weht eine leichte Brise und mich durchfährt ein Glücksgefühl. Lehrer an der Jenaplanschule – eine Arbeit die Spaß macht und fordert, also nichts zum Einrosten.

Falls sie wissen wollen wer bei den Krabben die große Klappe hat, Männchen oder Weibchen ist und warum Seesterne Stachelhäuter sind? Fragen sie ruhig nach. Hier an der Jenaplanschule in Markersbach gibt es echte Experten.

Die Ergebnisse der Exkursion konnten sich durch den lebensnahen Zusammenhang sehen lassen. Die Präsentation wurde vor der Öffentlichkeit in Form einer Bürgerakademie durchgeführt.

 

Jens Bitterlich